Der Stammbaum der Familie ter Haseborg
Die Reise unserer Familie durch die Zeit.
Susanna ter Haseborg und ihre Schwestern
Die Geschwister Susanna, Frouke, Janna und Okke waren die Kinder von Temme Janssen ter Haseborg (*1701-1763) und Gepke Harmens (1719-1768).
Temme verlor seine Eltern bereits im Alter von 8 Jahren und war früh auf die Unterstützung seiner Verwandten angewiesen. Sein Großonkel
Menne Siebens ter Haseborgh
nahm ihn zwar in sein Testament auf, bestimmte jedoch Temmes zwei jüngere Brüder zu seinen Haupterben.
Das Testament enthält zudem einen aufschlussreichen Hinweis auf Temmes Lebensumstände im Jahr 1726.
Zu diesem Zeitpunkt galt er mit 25 Jahren offenbar als verschollen oder zumindest abwesend:
"Sechstens legatire und begiftige ich Susanne Focken sählige zweyen Kinder Temme Janssen mit 400 Gulden,
sage vierhundert Gulden, wenn er wieder nach Hause kommet,
sonsten aber sothane vierhundert Gulden unter meine instituirende Erben auch erblich verbleiben müssen..."
(Testament-Auszug von Menne Siebens ter Haseborgh vom 10. September anno 1726).
Diese Formulierung legt nahe, dass sein Aufenthaltsort unbekannt war oder er nicht nach Weener zurückkehren konnte oder wollte.
Bei meiner Recherche bin ich in diesem Zusammenhang auf einen Bürgerkrieg, die sogenannten Appell-Kriege (1724–1726) gestoßen.
Sie drehten sich um Steuerfragen und fanden zwischen dem Fürst Georg Albrecht und den ostfriesischen Ständen statt.
Auslöser war die Weihnachtsflut 1717, die vor allem in den Küstengebieten zu großen Zerstörungen führte.
An der Frage der Finanzierung der Reparaturen spaltete sich das Land.
Im Jahr 1726 fanden beispielsweise zweimal Straßenkämpfe in Leer mit vielen Toten statt.1
Vielleicht war Temme in diese Kampfhandlungen einbezogen?
Erst im Jahr 1741 taucht Temme wieder eindeutig in den Quellen auf.
Mit nun 40 Jahren lebte er in Weener und wird als "brouwer" bezeichnet - ein Beruf, den bereits sein Vater ausgeübt hatte, der Brauereibesitzer war.
In diesem Jahr erscheint sein Name im Kirchenbuch von Weener anlässlich der Taufe seiner unehelich geborenen Tochter Susanna.
Die Mutter des Kindes war Gepke Harmens und zu diesem Zeitpunkt erst 21 Jahre alt.
Folgender Text steht dazu im Kirchenbuch: "In onegte gewonnen, als haar moeder bekend heeft by Temmo Jans brouwer.
NB: Heest de moeder selve haar Sündter H. Doop geprasenteerd en is over haar grouweldaad,
vor dat het dogtertje gedoopt wierde, ernstig gestraft en tot een beter leven vermaand geworden."
Mir gelingt noch nicht die vollständige Übersetzung, aber es heißt in etwa: "Unehelich geboren,
wie ihre Mutter bekennt von Temmo Jans Brauer.
NB: Hat die Mutter selbst/neben (?) ihrem Sünder H. (= heilige?) Taufe vorgestellt und ist über ihre Gräueltat,
damit ihr Töchterlein getauft wird, ernsthaft gestraft und zu einem besseren Leben ermahnt geworden."
Ausschnitt aus dem Kirchenbuch Weener2
Ein Eintrag aus dem Kirchenbuch von Larrelt zu einer Taufe vom 3. Dezember 1713 eines unehelichen Kindes macht deutlich, dass "die Kiche in damaliger Zeit den Ehebruch als große Sünde ansah und strenge Kirchenbuße forderte. Aus heutiger Sicht ist es kaum nachzuvollziehen, in welch eindringlicher Form der Pastor der jungen Ehebrecherin ins Gewissen redete. Diese mußte ein umständliches, langwieriges Sündenregister über sich ergehen lassen. Aus dem Kirchenbuch Larrelt, 3. Dezember 1713, Textübersetzung ins Hochdeutsche: "Sonntag Nachmittag getauft ein Uneheliches 19. November Sonntagabend um 7 Uhr allhier geboren von Bonnina Olingius aus Scheemda herübergekommen, sagte der Vater sei ein Mathias Branthorst dort wohnend und getraut. Womit ich entsprechend der Ordnung unserer Emder Ostfriesischen Kirchen handelte, nachdem ich sie allein in ihrer Slaapstee ernstlich hatte bestraft und ihr das große Ausmaß der Sünde eines Ehebruchs nach Gottes Wort verdeutlicht hatte, mußte sie selbst das Kind in der Kirche zur Taufe halten. Nachdem ich von der Kanzel die Taufformulierung vorgelesen hatte, ging ich von der Kanzel zum Taufbecken, wo die Mutter mit ihrem Kind auf dem Arm vor mir stand, erläuterte ich ihr gemäß I Tim.5:20 die Absicht einer Heirat und verdeutlichte, wie streng der Ehebruch nach dem 7. Gebot verboten sei, als auch "wat straffe naar het ligchaam Deut.22:22,24 en eeuwiglijk gedreigt worden aan een onbekeerden hoereerder" und Ehebrecher I Kor.6:10, Offenbarung 21:8. Ich hielt ihr vor, dass eine öffentliche Kirchenbuße gefordert sei und ich ermahnte sie zum Bekenntnis aus dem Spruch 28:13, lJoh.l:9 und auch forderte ich sie auf, öffentlich und gewissenhaft mir diese drei Fragen zu beantworten:
Erst elf Jahre später, im Jahr 1752, heirateten Temme und Gepke.
Die Trauung wurde von Temmes Bruder
Focko ter Haseborg
vollzogen, der seit 1745 Pastor in Weener war. Bereits drei Monate später, im Februar 1753, wurde die Tochter Frouke geboren.
Es liegt nahe, dass ihre erwartete Geburt der Anlass für die Eheschließung war.
Im Zuge der Hochzeit erkannte Temme seine älteste Tochter Susanna offiziell als sein Kind an.
Der Pastor vermerkte ergänzend im Kirchenbuch, dass Temme Susanna bei der Eheschließung als die Seine angenommen habe:
"Postea is Temme Jans met Gepke Harmens copuleert, en heest het kint Susanna als het Syne angenomen by de copulatie."
In den folgenden Jahren kamen zwei weitere Töchter zur Welt: Janna (1757) und Okke (1761).
Die Lebenswege der Familienmitglieder verliefen sehr unterschiedlich:
Susanna heiratete 1760 im Alter von 19 Jahren den etwa 55-jährigen Witwer Michel Geiger und zog mit ihm nach Stapelmoor.
Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor; Susanna erreichte ein Alter von 73 Jahren.
Die Tochter Okke starb 1779 im Alter von 18 Jahren in Weener an „Rotkoortze“, vermutlich Typhus.
Über den weiteren Lebensweg der Töchter Frouke und Janna liegen bislang keine Erkenntnisse vor.
Der Vater Temme Janssen ter Haseborg starb 1763 im Alter von 63 Jahren, die Todesursache ist nicht überliefert.
Die Mutter Gepke verstarb fünf Jahre später, 1768, mit nur 49 Jahren.
Als Todesursache wurde im Kirchenbuch „door overdaad van sterke Drank“ vermerkt, was auf Alkoholmissbrauch hinweist.
Zudem wurde sie als Frau „von einem geringen Stand“ bezeichnet.
Im Vergleich zum Lebensweg seiner Brüder verlief Temme Janssen ter Haseborgs Lebensweg deutlich unsteter.
Während die jüngeren Brüder Menne und Fokko im Testament des Großonkels Menne Siebens ter Haseborgh als Haupterben eingesetzt wurden,
galt Temme zeitweise als "verschollen". Welche Erfahrungen er in dieser Zeit machte, bleibt unklar.
Temme kehrte nach Weener zurück und arbeitete als Brauer, ihm gelang jedoch scheinbar nicht der soziale Aufstieg und die Absicherung,
die seine Brüder als Amtsträger und wohlhabender Bauer offenbar erreichten.
Auch seine familiäre Situation – die uneheliche Geburt eines Kindes und die späte Eheschließung
– unterscheidet sich deutlich von den stabileren Verhältnissen der Brüder.
Sein Leben verdeutlicht, wie stark individuelle Biografien selbst innerhalb ein und derselben Familie auseinanderdriften konnten.
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