Der Stammbaum der Familie ter Haseborg
Die Reise unserer Familie durch die Zeit.
Die Eltern von
Menne und
Focko Janssen ter Haseborgh waren
Jan Temmen ter Haseborg
(+ 6.5.1709) und
Susanna Focken (1680-1709).
Der Vater Jan Temmen arbeitete als "Brouwer" und war Eigentümer einer Brauerei in Weener.
"Weener erlebt im 17. und 18. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blütezeit,
die vor allem auf den aufstrebenden Großhandel mit Pferden zurückzuführen ist.
Die "Rheiderländer Kutsch- und Reitpferde" erwerben sich im In- und Ausland einen ausgezeichneten Ruf,
jährlich werden mindestens 1000 Pferde verkauft.
Weener entwickelt sich zum bedeutendsten Handelsplatz neben Emden.
Die Kriege zwischen den Niederlanden, England, Österreich und Frankreich (1680-1763) kurbeln das Geschäft zusätzlich an."1
Es ist anzunehmen, dass auch der Brauer Jan Temmen und seine Familie von dieser wirtschaftlichen Entwicklung profitierten.
Darüber hinaus wurde er im Jahr 1706 als Armenvorsteher in Weener genannt.
"Die Armenvorsteher, mancherorts auch Armenvögte genannt, verwalteten die Armenkasse und waren gelegentlich mit der Kontrolle des Gemeindezugangs beauftragt.
Das überwiegend aus Legaten und Stiftungen bestehende Armenvermögen wurde dabei nicht selten zweckentfremdet:
Da es im Gegensatz zum eher immobilen Kirchenvermögen überwiegend aus Barschaften bestand, bot es einen beliebten Fonds privater Kredite.
Bei der häufig anzutreffenden Verknüpfung des Kirchen-und Armenvorsteheramtes hatte der Inhaber demnach die Kontrolle über beachtliche Vermögenswerte.
Hier ist ein Grund für das eifersüchtige Wachen der Hausleute über den exklusiven Ämterzugang zu finden:
Das Anvertrauen des Gemeindevermögens setzte einen beachtlichen lokalen Leumund voraus."7
Im 16. und im frühen 17. Jahrhundert wurde das Amt des Armenvorstehers durch den Kirchenvorsteher ausgeübt.
Ab Mitte des 17. Jahrhunderts konnte diese Tätigkeit auch auf andere Personen übertragen werden.
Das Amt wurde in der Regel nur für kurze Zeiten vergeben.
Es war ein Amt, das finanziell nicht lohnenswert war, da die Entschädigung kaum die Ausgaben deckte.
Es war jedoch eine ehrenvolle Tätigkeit, mit deren Titel man sich schmücken konnte.
Jan Temmen führte den Namenszusatz "ter Haseborg", ohne dass sich seine Zugehörigkeit zur Familie belegen lässt.
Seine Eltern sind unbekannt.
Gesichert ist jedoch die Abstammung seiner Frau Susanna Focken aus der Familie ter Haseborg, ihre Mutter war eine gebürtige ter Haseborg.
Focko und Menne Janssen wurden als fünftes und sechstes Kind in diese Familie geboren.
Vor ihnen kamen zwei Töchter und zwei Söhne zur Welt.
Focko Janssen ter Haseborgh wurde am 10. April 1707 in Weener getauft, sein Bruder Menne Janssen ter Haseborgh am 07.04.1709.
Das familiäre Leben der Kinder wurde früh erschüttert.
Ihre Mutter starb kurz nach der Geburt von Menne im Alter von nur 28 Jahren, der Vater folgte wenig später.
Die Kinder waren damit frühzeitig auf die Unterstützung ihrer Verwandtschaft angewiesen.
Stammbaum von Menne und Focko Janssen ter Haseborg, erstellt mit Gramps
In Menne und Fockos Kindheit spielte sich in Ostfriesland ein katastrophales Ereignis ab.
Menne war acht, sein Bruder Focko zehn Jahre alt,
als es nachts vom 24. auf den 25. Dezember überraschend zu einer gewaltigen Sturmflut kam: Die Weihnachtsflut von 1717.
Die Katastrophe traf eine Region, die bereits schwer geschwächt war:
1715 hatte eine Rinderpest das Land heimgesucht in der etwa 60.000 Tiere verendet waren,
1716 folgte eine „Amel (Wurm) Plage“, die die Saat befiel, gefolgt von einer Mäuseplage.2
Kirchenbücher, Augenzeugen, Briefe und Chroniken berichten über die verheerenden Verluste an Menschen, Vieh und Land durch die Sturmflut.
In Ostfriesland sollen um die 2700 Tote gezählt worden sein. An der gesamten Nordseeküste gab es mehr als 9000 Todesopfer.
Wo die beiden Waisen zu diesem Zeitpunkt lebten, ist nicht überliefert,
aber dass sie bei Verwandten in Weener lebten, ist als wahrscheinlich anzunehmen.
Menne und Focko hatten die Flut überlebt.
Wenn man sich die Karte von 1718 ansieht, kann man davon ausgehen, dass die Haseborg und Weener nicht überflutet wurden.
Aber um sie herum hatten viele Übergebliebene "zwar ihr Leben, aber auch weiter nichts als ihr Leben gerettet.
Ihre Ehegatten, ihre Eltern, ihre Söhne, Töchter, Bräute, Brüder, Schwestern, Freunde und Bekannte waren dahin ... dahin ihr Vermögen,
baares Geld, Vieh, Vorrath von Torf und allerley Lebensmitteln – sie standen trostlos da als Schiffbrüchige.“ (Chronist C.M. Hafner)
„Die Vorräte an Saatgut waren vernichtet worden.
Auch hatte das Wasser Wiesen und Äcker versalzen, sodass das gerettete Vieh nicht mehr ernährt werden konnte.
Hinzu kamen die enormen Aufwendungen für den Deichbau, die den Bewohnern auferlegt wurden.
Gegen das Verbot der Behörden setzte eine Landflucht ein, die das Land weiter entvölkerte.
Die langfristige Folge war das Entstehen eines Großbauerntums.
Die Zurückgebliebenen konnten sich für wenig Geld die aufgelassenen Ländereien aneignen.“3
Weihnachtsflut von 1717, Kolorierte Kupferstichkarte von Homann, Nürnberg, um 17184
Nach einem sechsjährigen Theologiestudium in Groningen wurde Focko 1729 Pastor in Mitling.
Im selben Jahr heiratete er die Niederländerin
Grietje Steven Wolthyus (1700-1769).
1745 wechselte Focko als Pastor nach Weener.
Zwischen 1730 und 1742 wurden ihnen acht Kinder geboren, von denen einige leider früh verstarben.
Ihr erster Sohn
Jan starb im Alter von 2 Jahren.
Der Sohn
Steven
wurde am 01.01.1731 in Mitling geboren.
Er besuchte das Gymnasium in Lingen. Als Ostfriesland 1744 an Preußen fiel,
verbot die preußische Regierung 1748 den Ostfriesen das Studium an ausländischen Universitäten
und wies Studierwillige der damaligen Universität Lingen zu.
Steven nahm im Jahr 1752 ein Theologiestudium an der Universität Duisburg auf.
Anno 1752: "Die 16 Martii ... Stephanus Ter Haseborg, Wehnera-Frisius Orientalis,
S.S.Theol. operam daturus. Ex gymnasio Lingensi huc venit,
in quo ducem habuit rectorem illius athenaei et professorem litterarum clarissimum Stoschium.5
Steven starb im Alter von 26 Jahren, als Ministerii Candidatus (Kandidat des Predigtamts).
Die Tochter
Susanna
starb im Alter von 2 Monaten.
Die beiden Töchter
Meddina und
Susanna heirateten.
Meddina einen Landwirt und Herdbesitzer und Susanna einen Müller und Kaufmann.
Ein weiterer Sohn
Jan
wanderte als "Deputierter" nach Scheemda aus.
Der Sohn
Menno wurde Huismann,
Herdbesitzer und Sielrichter in Weener. Über ihn ist an anderer Stelle mehr zu lesen.
Der letztgeborene Sohn
Tidde
starb im Alter von 18 Jahren in Weener.
Focko starb im Alter von 53 Jahren. Nach seinem Tod, im September 1761, fand eine französische Invasion im Rheiderland statt.
Das Korps verübte grausame Plünderungen und Gewalttaten. Sie sperrten Geiseln in den Glockenturm von Weener und misshandelten diese.
Im Buch "Weener - Eine Stadt im Rheiderland" findet sich folgender Satz:
"Am 25. September wurden die Frauen Vossding, Mescher, Lübbers und Eppe Müller aus Weener und die Witwe des Pastors Haseborg in den Turm geführt.
Man drohte ihnen Stockschläge an. Die Exekution kam nicht zur Ausführung,
da von den Männern der Inhaftierten die auf der neuen Schanze (Neuschanz) sich aufhielten, die geforderten Dukaten aufgebracht wurden."2
Mit großer Wahrscheinlichkeit handelte es sich bei der Witwe um Grietje Wolthuys.
Am 18.5.1732 heirateten Menne Janssen ter Haseborgh und
Elske Lucas Pannenborg
in Mitling.
Die Eheschließung wurde vermutlich von seinem Bruder Focko vollzogen, der dort als Pastor wirkte.
Aus der Ehe gingen zwischen 1733 und 1753 elf Kinder hervor; nur vier erreichten das Erwachsenenalter.
Bei zwei Kindern kenne ich noch kein Sterbedatum. Die anderen Kinder wurden nur wenige Tage bis einige Jahre alt.
Eine Tochter starb im Alter von 15 Jahren.
Elske Lucas Pannenborg wurde am 31.7.1712 in Weener geboren und stammte aus einer angesehenen Familie.
Ihre Eltern waren
Lucas Claessen (1685-1775) und
Geertjen Wybrands (1693-1719).
Lucas Claessen war „Voogt to Weender“. Die Claessens stellten seit vier Generationen den Vogt in Weener.
Ein Vogt unterstützte den Amtmann bei der Durchführung seiner Verwaltungs- und Gerichtsgeschäfte.
Seine Aufgaben bestanden „in der Berichterstattung über Todesfälle, Erbauseinandersetzungen und Vormundschaften,
in der Zustellung behördlicher Ladungen, der Assistenz bei Zeugenvernehmungen und in der Anwesenheit bei Durchführung und
privater Verkäufe und Verpachtungen.
„Sie waren Gerichtsvollzieher und Polizist in einer Person, auch Urkundenbeamte und Finanzbeamte.
Der Vogt musste ferner auch über die Stimmung im Volk berichten.
Die Bezahlung war jämmerlich, ganze 15 Reichsthaler im Jahr!
Das Haupteinkommen bestand aus allen möglichen Gebühren und Vergünstigungen“2.
Aus dem Kontakt mit der Bevölkerung ergab sich die Notwendigkeit zum Unterhalt einer Gaststätte
im „Vogthaus“, das mit einer Brauereigerechtigkeit verbunden war“2.
Um 1750 war Lucas Claessen Eigentümer des Vogthauses.
Das Vogthaus bestand in der Konstruktion aus starken Holzpfosten mit Strauchgeflecht und einem Wandbewurf aus Lehm.
Zwischen 1750 und 1760 wurde an dieser Stelle ein massives Gasthaus errichtet.
Zum Familienbesitz gehörte auch eine Ziegelei – die wohl zu dem Namenszusatz der folgenden Generationen „Pannenborg“ (Panne = Ziegel) führte.
Wahrscheinlich führten Menne ter Haseborgh und seine Frau Elske Pannenborg die Wirtschaft der Familie weiter,
die zunächst "dat Vogtshus" oder "dat olde Vogtshus" genannt wurde.
Erbe und Besitzer der Wirtschaft war jedoch Elskes ältester Bruder Wybrand Pannenborg.
Dieser starb ohne männliche Nachkommen und veräußerte das Vogthaus mit Brauerei und Garten an seinen Neffen
Lucas Mennen ter Haseborg.
Dieser bewirtschaftete auch pachtweise die "Tilvenne".
Hotel zum Weinberg in den 1940er Jahren, RZ vom 29.04.1995
Menne Lukas ter Haseborg (1771-1819) erbte 1798 das Voigthaus und verkaufte es mit Scheune, Garten und Brauerei am 11.2.1803 an Eerke Alberts Smit (1778-1856). Dieser verpachtete es an seinen Schwager Jan Pannenborg. Jan Pannenborg benannte das Voigthaus in "Gasthof zum Weinberge" um. Außerdem pachtete er das Gasthaus "Zur Waage" und nahm das Wiegen von Butter, Käse und Vieh wahr.
Die Waage, RZ vom 29.04.1995
Der Lebensweg der Brüder Focko und Menne Janssen ter Haseborg spiegelt in vielerlei Hinsicht die sozialen,
wirtschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen Ostfrieslands in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wider.
Beide Brüder wuchsen unter den Eindrücken schwerer Krisen auf:
Nachwirkungen des Dreißigjährigen Krieges, Seuchen, Missernten und die Weihnachtsflut von 1717 bildeten den Hintergrund ihrer Kindheit.
Außerdem wuchsen beide als Waisen auf, verloren früh ihre Eltern und waren damit vollständig auf das familiäre Netzwerk angewiesen.
Diese Erfahrungen dürften das Bewusstsein für Sicherheit, Besitz und soziale Ordnung nachhaltig geprägt haben.
Durch die Zugehörigkeit zur weitverzweigten und angesehenen Familie ter Haseborg standen ihnen Schutz, Förderung und materielle Unterstützung zur Verfügung.
Besonders die bevorzugte Stellung im Testament von Menne Siebens ter Haseborgh sicherte beiden Brüdern eine solide wirtschaftliche Grundlage.
Diese Form der familiären Absicherung war in der Zeit keineswegs selbstverständlich, sondern Ausdruck eines funktionierenden Verwandtschaftsverbandes.
Sie eröffnete beiden Brüdern Entwicklungsmöglichkeiten, die vielen Zeitgenossen verwehrt blieben.
Der Lebensweg Fockos entspricht dem Idealtypus eines geistlichen Karrierewegs.
Ein mehrjähriges Theologiestudium in Groningen setzte nicht nur geistige Begabung, sondern vor allem finanzielle Mittel und familiäre Unterstützung voraus.
Seine Familie – mit acht Kindern – entsprach dem zeittypischen Bild eines Pfarrhaushalts.
Der Werdegang Mennes unterscheidet sich deutlich von dem seines Bruders und ist stärker von wirtschaftlichen Risiken geprägt.
Durch seine Heirat mit Elske Pannenborg verband er sich mit einer einflussreichen Beamten- und Unternehmerfamilie.
Die hohen Kindersterblichkeitsraten innerhalb der Familie stehen exemplarisch für die gesundheitlichen Risiken der Epoche.
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