Der Stammbaum der Familie ter Haseborg
Die Reise unserer Familie durch die Zeit.
Menne Siebens ter Haseborg
Menne Siebens ter Haseborg
wurde gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges in Weener geboren.
Auch wenn die Region von größeren militärischen Auseinandersetzungen weitgehend verschont blieb,
hatten die Jahre der Besatzung das Land weitgehend ruiniert.
Kontributionen, Einquartierungen und Plünderungen hatten die wirtschaftlichen Grundlagen vieler Familien zerstört.
Hart klingt ein Wort über Sand und Klei,
Ein Wort, so schrill, wie der Möwe Schrei,
Von der Heide bis zum Seestrand,
Im Hüttlein am Moor, dort wimmert's ein Kind,
Um rauchende Trümmer heult der Wind.
(Joh. Schoon)1
In dieses wirtschaftlich und gesellschaftlich erschütterte Umfeld wurde Menne Siebens geboren.
Sein Vater Sybo Hoytken, um 1637 in Weener geboren, war Besitzer einer Baumaterialienhandlung und bekleidete das Amt des Kirchvogts.
Diese Funktion war in der Regel Personen vorbehalten, die sich durch Grundbesitz sowie Ansehen von der Bevölkerung abhoben.
Sybo lebt bis in die Jahre 1671/1672 und war zweimal verheiratet:
mit (N.N.) Janssen und mit Anna Berents Gressloff (+ 1689 in Weener),
der Mutter von Menne und seinen Geschwistern Hoytet (* etwa 1643), Ocke (* etwa 1650) und Jan.
Besonders Mennes Bruder Hoytet trat mehrfach hervor.
Er wurde als Schüttemeister (Bauernrichter), Sylrichter, Kerkvogt und Olderling bezeichnet.
Diese "Ämterhäufung“ gibt einen Hinweis darauf, dass er aus einer wohlhabenden und angesehenen Familie stammte,
die auch nach den Wirren des Krieges eine bedeutende Stellung innerhalb der Dorfgemeinschaft einnahm.
Verwandtschaft des Menne Siebens ter Haseborg
Menne heiratete Hille Koerts Butters. Beide sind gemeinsam in der Kommunikantenliste der Kirchengemeinde Weener vom 28. März 1695 verzeichnet.
Es fällt auf, dass sich niemand aus Mennes engerer Familie mit dem Namen „ter Haseborg“ bezeichnete.
Weder sein Vater Sybo noch sein Großvater Hoytet führten diesen Namen.
Die Haseborg war zuletzt im Besitz von Thede ter Haseborg, dem Bruder von Mennes Großvater Hoytet, und dessen Ehefrau Zehrte.
Da das Paar kinderlos blieb, ging der Besitz an die Familie Zernemann über.
Wie der Herd später erneut in den Besitz der Familie zurückgelangte, lässt sich nicht eindeutig klären.
Sicher ist jedoch, dass sich der Erbherd im Jahr 1677 im Besitz von Menne befand. Vielleicht wurde sie zwischenzeitlich „zurückgeerbt“?
Denn in diesem Jahr, Menne war 27 Jahre alt und sein Vater bereits 5 oder 6 Jahren verstorben,
nahm er Geld auf den Herd auf und verschuldete sich.
Eine weitere Kreditaufnahme erfolgte 1684, da war Menne ca. 34 Jahre alt.
Die Gründe hierfür bleiben unbekannt.
Die Zeit Mitte des 17. bis Mitte des 18. Jahrhunderts war in Ostfriesland von anhaltenden Krisen geprägt:
Viehseuchen, politische Unruhen und schwere Sturmfluten belasteten Land und Bevölkerung.
So wurde z.B. die Kirche in Kirchborgum im 17. Jahrhundert ein Opfer der Fluten.
Möglich ist auch, dass durch die Regelung der Erbschaft und der damit verbundenen Auszahlung,
an die inzwischen sehr große Familie, das Vermögen der ter Haseborgs außerordentlich gelitten hatte.
Nachkommen hatten Menne und seine Frau Hille nicht. Stattdessen übernahmen beide Vormundschaften für die Kinder seiner Schwester Ocke Siebens: Frans, Sybo und Susanna Focken. Im Jahr 1702 beendete Menne im Alter von 52 Jahren gemeinsam mit seinem Bruder Hoytet einen langwierigen Prozess gegen ihren Schwager, den Pferdehändler Albert Brechtezende. Streitgegenstand war das Erbe der drei Mündel. Nachdem die Geschwister inzwischen „großjährig“ geworden und verheiratet waren, einigte man sich auf einen Vergleich. In den Kirchenakten von Weener zeichnet Franz Focken "vor myn moeder Ocke Siebens" neben Hoytet Siebens und Menne Siebens ter Haseborg. Albert Brechtesende zahlte 2250 Gulden und verpfändete dafür 4 "Dechmet Sanden". Im Gegenzug durfte er die von ihm angekauften Pferde behalten und offene Forderungen gegen Wilke und Gotzen einziehen, hierdurch wurde der am Wiener Hof geführte Prozess beendet.
Ein Dokument aus dem Jahr 1707 zeigt, dass die ehemaligen Streitparteien weiterhin eng zusammenarbeiteten. Am 13. Oktober unterzeichneten mehrere Kirchenmitglieder von Weener, darunter Franz Focken als Schüttmeister, Jan Temmen als Armenvorsteher, Menne ter Haseborg, Albert Brechtezende, Hoitet Sybens als Olderling und Sibe Focken, dass dem Schulmeister Aysse Habben, der Alters halben aus dem Dienst ausschied, eine Altersversorgung zusteht (Rep. 234, 66 S 58 R-59). Hier sind, ausgenommen dem Schulmeister, ausschließlich Personen aus der Familie ter Haseborg genannt.
Mennes Frau Hille wurde am 2. Februar 1723 in Weener beerdigt. Drei Jahre später, am 10. September 1726, schrieb Menne sein Testament.
Das Vermögen der ter Haseborgs hatte sehr gelitten, wie man an dem Verzeichnis von Mennes Nachlass sieht.
Der ererbte Heerd war inzwischen veräußert und gelangt über Mittelsmänner an die Familie Gryze in Weener.
Auch mehrere Ländereien waren verloren gegangen, wie der Bericht des Vogtes Lucas Claessen zeigt.
Dennoch vererbt Menne 1728 seinen Besitz zu Weener und anderes im Wert von 14.800 Gulden
in der Hauptsache an die jüngsten Söhne seiner Nichte Susanne Focken.
Daneben setzte er zahlreiche Legate aus, mit denen er Kinder und Enkel seiner Geschwister bedachte sowie einzelne Verwandte unter bestimmten Bedingungen berücksichtigte.
Auch eine Gabe an die Armen des Kirchspiels Weener wurde festgelegt.
Im Testament von Menne Siebens ter Haseborgh, vom 10. September anno 1726, ist zu lesen:
"Vünftens legatire und begiftige (ich) meiner sähligen Schwester Ocke Siebens Kinder oder Kindts Kinder Frans Focken mit 100,
sage einhundert Gulden, Sybe Focken mit 1.500 Gulden, schreibe eintausendfünfhundert Gulden,
welches ebenfalls nach meinem tödtlichen Abgangk von meinen instituirten Erben abgeführt werden soll".
"Sechstens legatire und begiftige ich Susanne Focken sählige zweyen Kinder Temme Janssen mit 400 Gulden,
sage vierhundert Gulden, wenn er wieder nach Hause kommet,
sonsten aber sothane vierhundert Gulden unter meine instituirende Erben auch erblich verbleiben müssen...."
Mennes Bruder Jan Siebens muss in jungen Jahren gestorben sein, denn nicht er, sondern seine Kinder Sybo,
Peter und Hayke oder denen Nachkommen werden von Menne in seinem Testament mit Legaten bedacht.
"... wie ich dann ebenfalls Fraucke Janssen legatiret und vermachet haben wollte 400 Gulden,
wenn sie sich nicht wider meinen Willen bey meinem Leben verheyrahtet,
welches sonst ebenfalles von meinen instituirten Erben abzuführen sey."
(Testament-Auszug von Menne Siebens ter Haseborgh, vom 10. September anno 1726).
"Menne Siebens ter Haseborgh vermachte sein Vermögen seinen beiden Großneffen,
verfügte jedoch darüber hinaus folgende Legate: − 1.200 Gulden an die Kinder seines verstorbenen Bruders
− 1.000 Gulden an »Peter Janssen oder deßen Kinder«
− 800 Gulden an »Haijke Janssen Kinder«
− 100 Gulden an einen weiteren Neffen
− 1.500 Gulden an einen Sijbe Focken
− 400 Gulden an »Susanna Focken Säl. Zweyen Kinderen«
− 400 Gulden an eine Frauke Janssen
− 20 Gulden an die Armen im Kirchspiel Weener.
Nicht nur die Auszahlung der Geschwister, sondern auch die Summe der Legate konnte für den Haupterben durchaus eine Belastung darstellen.
Der Gesamtwert der Güter des Menne Siebens ter Haseborgh betrug zwar 14.500 Gulden,
allerdings war dieser Wert an die Immobilien gebunden.
Es ist daher wahrscheinlich, dass auch die Legate in Raten abbezahlt wurden." 2
Menne starb am 4. August 1728 im hohen Alter von etwa 79 Jahren in Weener und wurde am 11. August desselben Jahres dort beerdigt.
Sein Leben spannt einen Bogen vom Ende des Dreißigjährigen Krieges bis in die frühe Neuzeit Ostfrieslands –
geprägt von wirtschaftlichem Wandel, familiärer Verantwortung und dem allmählichen Verlust eines einst bedeutenden Besitzes.
Wenn Sie Informationen, Fotos, Geschichten usw. einreichen möchten, teilen Sie mir dies bitte mit.
Schreiben sie eine email.
Informationen zum Datenschutz
Ich habe mich bemüht, alle Quellen auf dieser Seite kenntlich zu machen. Wenn Sie Fehler finden oder etwas hinzuzufügen haben, lassen Sie es mich bitte wissen.