Der Stammbaum der Familie ter Haseborg
Die Reise unserer Familie durch die Zeit.
Afien Hinderika ter Hazeborg (1834–1863)
Afien Hinderika ter Hazeborg wurde am 25. November 1834 in Kalkwijk in der niederländischen Provinz Groningen geboren. Sie war die Tochter des Bäckers Henricus ter Hazeborg und dessen Ehefrau Anna Pauls Dam. Afien wuchs in einer Zeit auf, in der Herkunft, Geschlecht und eheliche Abstammung maßgeblich über soziale Chancen entschieden.
Afiens Vater Henricus ter Hazeborg (1788–1868) wurde in Kerkhover Rot bei Weener geboren. Er entstammte einer reformierten Familie und wurde wenige Tage nach seiner Geburt, am 20. Juli 1788, in Weener getauft. Er war das elfte und letzte Kind des „Brouwers“ und Herbergsiers Lucas Mennen ter Haseborg und dessen Ehefrau Thalea Hinderks.
Über Henricus’ Kindheit und Jugend sind keine direkten schriftlichen Zeugnisse überliefert. Sein späterer Berufsweg legt jedoch nahe, dass er eine handwerkliche Ausbildung absolvierte. Spätestens ab 1831 ist er als bakker beziehungsweise broodbakker in der Stadt und Region Groningen nachweisbar. Das Rheiderland gehörte ab 1806 zum Departement von Groningen (Département Ems-Occidental) im Königreich Holland, später dann zu Frankreich.
Im Jahr 1831 bekam die Zimmermannstochter Anna Pauls Dam aus Delfzijl, zu dieser Zeit als dienstmeid tätig, in Winsum einen Sohn, den sie Lucas nannte, ohne einen Vater anzugeben. Bei seinem Tod in Groningen, in der Korenstraat, wurde er als Lucas ter Hazeborg bezeichnet. Er starb im Alter von knapp drei Monaten.
Im Jahr 1833 wurde in Kalkwijk ein weiterer Sohn geboren, ebenfalls unehelich. Das Kind verstarb unmittelbar nach der Geburt. Lucas ter Hazeborg erkannte ihn als seinen Sohn an; Anna Pauls Dam wird in diesem Zusammenhang als seine huishoudster (Haushälterin) bezeichnet. Noch im selben Jahr heirateten die beiden in Hoogezand. Die Eheschließung wurde auch in der Zeitung Groninger Courant bekannt gemacht.

Ausschnitt aus dem Groninger Courant2
Ein Jahr nach der Hochzeit, am 25. November 1834, wurde ihre Tochter Afien Hinderika geboren. Anna Pauls Dam verstarb 24 Tage nach der Geburt. Ihr Tod steht sehr wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Wochenbett.
Bereits am 27. Februar 1836 ging Henricus ter Hazeborg in Hoogezand eine zweite Ehe mit der dienstmeid Annechien Geerts van der Laan ein. Aus dieser Verbindung gingen weitere Kinder hervor. Die drei Söhne aus dieser Ehe erlernten Handwerksberufe und wurden Schuhmacher, Schneider und Ölmüller. Die rasche Wiederverheiratung entsprach den sozialen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten der Zeit, in der ein Haushalt ohne Ehepartner – insbesondere mit Kindern – kaum lebensfähig war.
Henricus lebte zuletzt in Hoogezand „in het huis letter C, nummer twee“. Dort verstarb er am 8. August 1868 im Alter von 80 Jahren.
Über Afiens Kindheit und Jugend ist nur wenig bekannt. Wie viele Mädchen aus handwerklich geprägten Haushalten erhielt sie keine höhere Schulbildung. Dies wird später auch amtlich festgehalten: Im Jahr 1859 ist sie ausdrücklich als „ohne niedere Bildung“ vermerkt.
In ihren mittleren Zwanzigern arbeitete Afien als Dienstmagd in Hoogezand. Dienstverhältnisse boten unverheirateten Frauen aus unteren sozialen Schichten eine der wenigen Möglichkeiten zum Broterwerb, gingen jedoch mit starker Abhängigkeit, geringer Absicherung und sozialer Kontrolle einher. Ein Verlust der Anstellung konnte rasch existenzbedrohend werden.
Am 29. Januar 1859 brachte Afien in Hoogezand eine Tochter zur Welt, die sie Anna nannte. Das Kind lebte nur 16 Tage. Afien war zu diesem Zeitpunkt unverheiratet; ein Vater wurde nicht angegeben. Uneheliche Mutterschaft war im 19. Jahrhundert mit massiver sozialer Stigmatisierung verbunden. Frauen trugen die vollständige Verantwortung für Versorgung und Erziehung, ohne rechtlichen Anspruch auf Unterstützung durch den Vater der Kinder.
Im Herbst desselben Jahres geriet Afien erstmals aktenkundig mit der Justiz in Konflikt. Am 15. September 1859 wurde sie in Groningen wegen eines Diebstahls verurteilt. Im Register der Strafgefangenen des Huis van Bewaring te Groningen ist sie als 26-jährige, unverheiratete Frau geführt. Die verhängte Strafe betrug acht Tage Einzelhaft. Auch wenn es sich um ein vergleichsweise kurzes Strafmaß handelte, bedeutete eine solche Verurteilung für eine alleinstehende Frau einen erheblichen sozialen Makel.

Foto des Innenhofs des damaligen Gefängnisses an der Zoutstraat in Groningen um 1900, auch Spinhuis genannt3
Afien Hinderika ter Hazeborg blieb unverheiratet. Am 12. September 1863 brachte sie in Tripscompagnie Zwillinge zur Welt: Henderikus und Aaffien ter Hazeborg. Beide Kinder starben im Alter von 21 Tagen am 3. Oktober 1863.
Afien selbst verstarb am Nachmittag des Tages der Entbindung, gegen drei Uhr. Der Tod im Kindbett war im 19. Jahrhundert keine Seltenheit, traf jedoch besonders häufig sozial benachteiligte Frauen ohne ausreichende medizinische Versorgung.
Afien Hinderika ter Hazeborgs Lebensgeschichte steht exemplarisch für das Schicksal vieler Frauen ihrer Zeit, deren Leben von struktureller Benachteiligung geprägt war. Als unverheiratete Mutter, Dienstmagd und Strafgefangene war sie mehrfacher sozialer Ausgrenzung ausgesetzt.
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